Parlamentarisches Patenschafts-Programm: Lunas Bericht aus den USA
Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) ist ein Stipendium des Deutschen Bundestages und ermöglicht Schülerinnen und Schülern sowie jungen Berufstätigen, ein Jahr in den USA zu verbringen: Sie leben in einer Gastfamilie, besuchen dort die Schule und knüpfen Kontakte. Auf Nominierung von Hannovers Abgeordneten Boris Pistorius, MdB, ist Luna aus Wettbergen seit August in Minnesota. Hier berichtet sie von ihren Erlebnissen.
Seit nun bereits zwei Monaten darf ich dank der Nominierung von Herrn Pistorius für das Stipendium des Parlamentarischen Patenschafts-Programms einen zehnmonatigen High-School-Aufenthalt in den USA verbringen.
Seit meiner Ankunft lebe ich zusammen mit meiner Gastfamilie im Bundesstaat Minnesota und besuche eine eher kleine High School mit rund 500 Schülerinnen und Schülern. Die ersten Wochen waren zunächst eine große Umstellung. Die englische Sprache, das Leben in einer Gastfamilie und eine komplett neue Kultur waren viele neue Eindrücke auf einmal. Mit der Zeit fiel mir das Sprechen auf Englisch jedoch deutlich leichter und ich habe mich schnell an meinen neuen Alltag gewöhnt.
Besonders das Schulleben spielt in den USA eine große Rolle. Die Klassen sind vergleichsweise klein und die Menschen, die ich bisher kennenlernen durfte, sind sehr offen und interessiert. Vom ersten Schultag an habe ich mich hier wohlgefühlt und hatte keine Probleme, Anschluss zu finden. Ich bin von Anfang an auf andere Schülerinnen und Schüler zugegangen, auch wenn das zunächst etwas ungewohnt war. Meiner Meinung nach ist es als Austauschschüler essenziell, selbst den ersten Schritt zu gehen und seine Komfortzone zu verlassen. Die allermeisten waren sehr lieb und ich bin schnell mit verschiedensten Menschen ins Gespräch gekommen. Inzwischen habe ich bereits einige Freundschaften geschlossen und bin sehr dankbar, solche tollen Menschen um mich herum zu haben.
Auch im Schulalltag gibt es einige Unterschiede zu Deutschland. Hier hat jeder Lehrer seinen eigenen Klassenraum, den er während des Schultages nicht wechselt. Dadurch sind die Räume sehr individuell gestaltet. Neben klassischen Fächern wie Englisch, Mathematik, Chemie und Spanisch belege ich unter anderem Culinary Arts, Interior Design und American Government. Anders als an meiner deutschen Schule ist mein Stundenplan dabei jeden Tag gleich. Auch das Notensystem unterscheidet sich: Mündliche Noten gibt es hier kaum, stattdessen werden Leistungen größtenteils mit einer Buchstabenskala von A bis F bewertet.
Darüber hinaus hat Schulsport in den USA einen hohen Stellenwert. Ich bin derzeit im Cross-Country-Team, einer Laufsportart, bei der wir längere Strecken durch die Natur zurücklegen. Für den Winter plane ich, Basketball auszuprobieren, und im Frühjahr möchte ich voraussichtlich Softball spielen. Auch viele weitere Sportarten und Clubs wie Theater, Band, Speech und Knowledge Bowl werden hier angeboten.
Besonders deutlich wurde dies während der vergangenen Homecoming Week, einer traditionellen Festwoche, bei der die Schulgemeinschaft ihren Zusammenhalt feiert. Neben einer Mottowoche, bei der wir uns jeden Tag passend zum jeweiligen Thema gekleidet haben, fanden verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen statt. Den Höhepunkt bildeten ein großes Footballspiel und ein anschließender Tanzabend.
Eine besondere Ehre war es für mich, gemeinsam mit einigen anderen Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Jahrgängen für die „Homecoming Royalty“ nominiert zu werden und unseren jeweiligen Jahrgang zu repräsentieren. Dafür gab es eine „Coronation“, bei der wir uns förmlich gekleidet haben und geehrt wurden. Anschließend wurden aus der Abschlussklasse die Homecoming Queen und der Homecoming King gewählt. Das mitzuerleben war für mich eine besondere Erfahrung, da ich eine solche Tradition bisher vor allem aus amerikanischen Filmen kannte.
Auch außerhalb der Schule unternehme ich viel mit Freunden. An den Wochenenden gehen wir beispielsweise shoppen oder treffen uns bei Freunden. Dabei fällt mir besonders auf, wie stark der Alltag vom Auto abhängig ist. Viele meiner Freunde besitzen bereits einen Führerschein und ein eigenes Auto, da öffentliche Verkehrsmittel hier kaum verfügbar sind und die Orte deutlich weiter voneinander entfernt liegen.
Ein wichtiger Bestandteil meines Auslandsaufenthalts ist auch das Leben in meiner Gastfamilie. Das kann teilweise herausfordernd sein, weil man sich an neue Gewohnheiten, Regeln und eine andere Kultur anpassen muss. Nach einem Gastfamilienwechsel wurde ich von meiner jetzigen Gastfamilie sehr herzlich aufgenommen. Dadurch habe ich gemerkt, wie wichtig die Kommunikation mit der Gastfamilie ist und wie entscheidend es ist, dass man sich in der Familie wohlfühlt.
Hier habe ich zwei Gastschwestern und einen Gastbruder sowie einige Haustiere wie Hunde und Katzen. Inzwischen fühle ich mich sehr wohl und habe wirklich das Gefühl, Teil der Familie zu sein. Wir haben schon viel miteinander gelacht, ich habe deutsche Gerichte gekocht und durfte meiner Gastfamilie einiges von meiner eigenen Kultur erzählen.
Während die US-Regierung momentan unter anderem in Deutschland sehr kontrovers diskutiert wird, ist es für mich eine wertvolle Erfahrung, selbst mit Amerikaner:innen ins Gespräch zu kommen und mich mit ihnen über unterschiedliche Ansichten auszutauschen. Genau dieser persönliche Austausch steht auch im Mittelpunkt des Parlamentarischen Patenschafts-Programms. Das gemeinsame Stipendienprogramm des Deutschen Bundestages und des US-Kongresses verfolgt das Ziel, persönliche Verbindungen zwischen jungen Menschen aus Deutschland und den USA zu schaffen und das gegenseitige Verständnis für die Kultur, Gesellschaft und Politik beider Länder zu fördern. Dabei fungieren wir als Junior-Botschafter:innen, indem wir unser Heimatland im Gastland repräsentieren und zum kulturellen Austausch beitragen.
Im November wird außerdem ein Washington-D.C.-Workshop für uns Austauschschülerinnen und Austauschschüler stattfinden. Dort werden wir mehr über das politische System der USA erfahren und politische sowie historische Sehenswürdigkeiten besuchen. Besonders freue ich mich darauf, die anderen Austauschschüler wiederzusehen und mich mit ihnen über unsere bisherigen Erlebnisse auszutauschen.
Nach den ersten zwei Monaten durfte ich bereits viele bereichernde Erfahrungen machen und unglaublich tolle Menschen kennenlernen. Umso gespannter bin ich auf die verbleibende Zeit meines Austauschs und auf das, was mich in den kommenden Monaten noch erwartet.